Privates Fachklinikum für interdisziplinäre Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
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Wie man isst, so lebt man.

von: Prof. Dr. Schottler | Datum: 10. Juli 2017

Ein altes Sprichwort besagt „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“. Unsere Nahrung ist nicht nur der tägliche Energielieferant zum Überleben, sondern auch Ausdruck von Wohlbefinden, Genussfähigkeit, Ausgeglichenheit oder Besinnung auf das Selbst. Nach einem anderen Sprichwort geht „Liebe durch den Magen“, was die soziale Funktion des Essens meint, die gegenseitige Fürsorge zum Wohlergehen sowie Lebensart, Kultur und Kommunikation. Die Art, wie man speist, isst oder schlingt, wird dabei zum Ausdruck einer inneren Haltung und der seelischen Verfassung.

Essstörungen sind zu einer Zeiterscheinung des modernen Lebens geworden: Essen ist medial omnipräsent in Kochshows, Diätberatungen, Schönheitsidealen. Immer mehr Fastfood und Fertigware versus Biotrend oder Veganismus verwirren. Alltagshektik, Probleme des Lebens sowie Fehlverhalten schlagen dann im wahrsten Sinne „auf den Magen“. In Deutschland leiden 1,5 % der Frauen und 0,5 % der Männer unter einer der drei Hauptformen von Essstörungen: Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Erbrechen nach dem Essen), die Binge-Eating-Störung (Heißhungeranfälle).

Essstörungen sind Erkrankungen mit schwerwiegenden körperlichen, psychischen und sozialen Folgen. Sie beginnen meist im Jugendalter und können Lösungsversuche für tiefer liegende seelische Probleme sein oder Flucht oder Ersatz für verdrängte Gefühle und Bedürfnisse. Oft sind sie auch stummer Protest oder soziale Ablehnung. Essstörungen haben jedoch auch immer eine körperliche (somatische) Komponente, weil durch Nahrungsentzug oder übermäßige -aufnahme erhebliche biologische Reaktionen hervorgerufen werden.

Nicht selten werden Essstörungen jedoch als launisches Essverhalten verharmlost und aufgrund mangelnder Akzeptanz der psychischen Ursache verleugnet. Das mündet häufig in folgenreiche Chronifizierungsspiralen, die langwierige Therapien erfordern. In der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung kommt es vor allem auf eine frühe Intervention an, um die tieferliegenden Ursachen der Störung zu erkennen und Lösungsstrategien mit dem Patienten zu erarbeiten. Das Früherkennungszentrum bietet eine spezialisierte Diagnostik und nimmt sich die Zeit, um individuell für die seelische Situation der Betroffenen passende Schritte zur erfolgreichen Psychoedukation einzuleiten.

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